Darmreinigung

Die richtige Vorbereitung macht‘s

Von Wiebke Toebelmann · 2017

Ob eine Spiegelung im Rahmen der Krebsvorsorge oder eine Operation am Darm – für beide Maßnahmen ist eine gründliche Darmreinigung das A und O. Das Durchspülen des Verdauungsorgans wird auch ohne medizinische Notwendigkeit etwa im Vorfeld von Fastenkuren angewendet. Schulmedizinisch ist dies jedoch nicht ganz unumstritten.

Wasser. Thema: Darmreinigung
Eine Darmreinigung erfordert das Trinken von großen Flüssigkeitsmengen.

Um Darmkrebs festzustellen, bedarf es einer Koloskopie, also einer Spiegelung des Organs. Wurde er nicht zuvor kräftig „ausgeputzt“, ist es dem Arzt aber nicht möglich, auch kleine Wucherungen, sogenannte Polypen, zu erkennen. Der freie Blick auf die Darmwände ist also wichtig und nur ohne Speise- und Flüssigkeitsreste gegeben. Ein Vorgang, der auch Lavage genannt und mit abführenden Lösungen durchgeführt wird. Diese enthalten zumeist entweder Polyethylenglykol (PEG) oder Natriumphosphat. PEG wird am Nachmittag des Vortags eingenommen, die zweite Dosis wenige Stunden vor der Koloskopie selbst. Natriumphosphat wird wiederum morgens und abends am Tag vor der Prozedur eingenommen. Wichtig ist es, zusätzlich viel Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Empfohlen werden 250 Milliliter pro Stunde am Vortag. Keine leichte Aufgabe für Trinkmuffel, aber da die Flüssigkeiten frei wählbar sind – selbst Limonaden sind erlaubt –, durchaus machbar. Ab dem ersten Verzehr der Abführ-Trinklösung sollte übrigens eine Toilette immer in Reichweite sein. Der Stuhl verflüssigt sich und nimmt an Volumen zu, was zu einer vermehrten Darmbewegung führt. Sieht er schließlich hell und fast klar aus? Dann wurde alles richtig gemacht, und die Darmspiegelung kann losgehen. Deren Vorbereitung beginnt übrigens bereits ein wenig vorher: Die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen DGVS empfiehlt, vier Tage vor der Koloskopie jegliche Körnerkost vom Speiseplan zu streichen, egal ob Müsli oder Vollkornbrot, aber auch Kiwi, Mohn oder Nüsse. Der Grund ist simpel: Die Körnchen können an den Darmwänden haften bleiben und das Endoskop schlicht verstopfen. 

Darmreinigung für die Gesundheit 

Die Darmreinigung ist Standardprozedere vor einer Koloskopie. Aber auch in der Alternativmedizin oder als Vorbereitung auf eine Fastenkur kommt sie zum Einsatz als sogenanntes ausleitendes Verfahren: Giftstoffe sollen heraustransportiert, das Immunsystem gestärkt und auch Krankheitsbilder wie etwa Allergien und Arthritis verbessert werden. Bei der Darmreinigung in der Naturheilkunde handelt es sich zumeist um eine Darmspülung: Rektal wird mittels eines Schlauches Wasser in den Darm geleitet, während über einen zweiten Schlauch die Darminhalte hinausgelangen. Der Einsatz von 50 bis 60 Litern Wasser sind keine Seltenheit bei einer Darmspülung. Anders funktioniert das sogenannte Klistier-Verfahren, bei dem lediglich fünf bis 200 Milliliter Wasser rektal eingespritzt werden – ein klassischer Einlauf. 

Entschlackung – alles Hokuspokus?

Wie sinnvoll Darmspülungen sind, darüber wird seit vielen Jahren debattiert. Verfechter der Methode glauben, dass der Darm in regelmäßigen Abständen von aufgebauter Schlacke befreit werden sollte. Die Schulmedizin hingegen bestreitet dies: Die normale Darmtätigkeit sei vollkommen ausreichend zur Entfernung von Giftstoffen. Die Annahme, dass sich schädliche Rückstände über gewisse Zeit im Darm ablagern, basiert auf den Ideen von Otto Buchinger, der 1935 das Wort „Entschlacken“ als Erster aufs Tapet brachte. Er verglich den Darm mit Hochöfen, die ebenfalls regelmäßig von Rückständen gereinigt werden sollten. 

Für die Notwendigkeit von Darmspülungen gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Die Autoren einer US-Studie im „Journal of Family Practice“ weisen sogar auf Gefahren hin, wie etwa Verletzungen der Darmwand bei unsachgemäßer Durchführung. Zudem sollten Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa die Finger davon lassen, ebenso jene, die kürzlich am Darm operiert wurden und Patienten mit Herz- oder Nierenproblemen. Generell verweist die Schulmedizin darauf, in die Aktivitäten der Darmbakterien und die sensible Schleimhaut nicht einzugreifen.

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