Morbus Crohn Therapie

Forscher entdecken neuen Therapieansatz

Von Corinna Tonner · 2015

 Grafik: Innenraum vom Darm. Thema: Morbus Crohn Therapie

Für die chronisch-entzündliche Darmerkrankung Morbus Crohn gibt es bis heute keine Heilung. Allein in Deutschland leiden rund 320.000 Menschen an der Darmentzündung. Pro Jahr gibt es bundesweit fünf neue Fälle pro 100.000 Einwohner. Aktuelle Erkenntnisse eröffnen vielversprechende Therapie-Optionen.

Anhaltender Durchfall und Bauchschmerzen ohne erkennbaren Anlass sind die Hauptsymptome von Morbus Crohn. Die Krankheit tritt schon in jungen Jahren auf, das durchschnittliche Ersterkrankungsalter liegt bei 15 bis 35 Jahren. Für die Betroffenen ist zunächst nicht leicht zu erkennen, dass es sich nicht um eine Nahrungsmittelunverträglichkeit oder einen Magen-Darm-Infekt handelt. Aufmerksam sollten sie werden, wenn die Beschwerden über Wochen anhalten. Mittels einer Kombination verschiedener Untersuchungen – Bestimmung von Entzündungsstoffen im Blut, Ultraschalluntersuchung des Bauchs, Darmspiegelung mit Gewebeproben – wird von einem Gastroenterologen die Diagnose gestellt.

Morbus Crohn: Ursachen bislang noch unklar

Heilbar ist Morbus Crohn zurzeit nicht. Doch die Symptome, die in Schüben auftreten, können gelindert werden. Bei einem akuten Schub bekommen die Patienten starke entzündungshemmende Substanzen wie etwa Kortison. Auch zwischen den Schüben werden Entzündungshemmer eingenommen. Die genauen Ursachen von Morbus Crohn, der Anfang des 20. Jahrhunderts erstmals beschrieben wurde, sind bis heute unklar. Eine genetische Ursache liegt nahe, weil die Krankheit familiär gehäuft auftritt. Allerdings können auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Beobachtet wurde auch, dass die Krankheit in den westlichen Industrienationen häufiger auftritt. Auch Raucher haben ein erhöhtes Risiko, an der Darmentzündung zu erkranken. Psychische oder ernährungsbedingte Faktoren tragen dagegen nicht zum Ausbruch der Krankheit bei.

Therapieansatz: Knochenmarkszellen produzieren „Defensine“

Wissenschaftler sind sich heute weitgehend einig, dass die Darmbarriere bei der Entstehung der Krankheit eine entscheidende Rolle spielt. Gemeint ist die äußere Darmwand, die die Darmbakterien vom Körperinneren trennt. Neueste Erkenntnisse zeigen, dass bei Morbus Crohn-Patienten in der Darmwand die Abwehrzellen, die von Knochenmarkszellen abstammen – sogenannte Panethzellen – die körpereigenen Antibiotika nicht in ausreichender Menge produzieren. Der Mangel an diesen „Defensinen“ führt zum Eindringen von Bakterien in die Darmwand. Damit wird die Mischung der Bakterien im Darm verändert, man spricht von einer Veränderung des „Mikrobioms“. Auf Basis dieser Erkenntnisse konnten Tübinger Forscher im Oktober 2015 erstmals erklären, warum sich die Symptome von Morbus Crohn durch eine Transplantation gesunder Knochenmarkszellen beheben lassen. Damit eröffnen sich im Laufe der nächsten Jahre vielversprechende Möglichkeiten für neue therapeutische Ansätze.

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