Analfistel

Tabuisiertes Leiden auf dem OP-Tisch

Von Frank Wagner · 2016

 Frau hat vermutlich Probleme beim Stuhlgang. Es könnte eine Analfistel sein.

Bereits bei den häufiger auftretenden Hämorrhoiden wird meistens eine operative Entfernung empfohlen. Auch bei den sogenannten Analfisteln kommen die Betroffenen selten um einen Eingriff herum. Heute stehen Patienten sowohl etablierte chirurgische Eingriffe als auch ganz neue, weniger invasive und risikoärmere Verfahren mit guten Heilungschancen zur Verfügung.

Leiden im Analbereich wie zum Beispiel Analfisteln, Abszesse oder Hämorrhoiden sind nicht nur schmerzhaft, sondern auch oft tückisch. Ein weiteres Problem solcher Erkrankungen ist, dass es vielen Betroffenen auch besonders schwerfällt, angemessen darauf zu reagieren. Stattdessen werden Probleme in diesem Bereich trotz des hohen Leidensdrucks nur allzu gerne auf die lange Bank geschoben oder gar tabuisiert. Auf keinen Fall sollten Betroffene aber den Weg zum Arzt scheuen. Denn ein rechtzeitiger Gang in die Praxis bewahrt auch hier häufig vor schwereren Krankheitsverläufen.

Analfistel: oft ein komplizierter Abszess als Ursache

Bei vielen Entzündungen im Analbereich sind die Ursachen zunächst nicht eindeutig erkennbar. Verschiedene Ausformungen der gleichen Erkrankung sind Analfisteln und Analabszesse. Bei der infizierten Form der Entzündung, dem Abszess, kann der Eiter nicht abfließen. Rötung und Schwellung sowie die Lokalisation des Schmerzes sind für den Arzt wegweisend für die weitere Diagnostik und Therapie. Bei der großen Mehrheit dieser Abszesse findet sich als Ursache eine Fistelöffnung ausgehend vom Ende des Mastdarms. Können Sekret und Eiter nicht abfließen bilden sich teils komplexe Fistelgänge mit Abszessen, die letztlich um den Anus herum an die Hautoberfläche treten. Tückisch: Es gibt manchmal auch Verläufe ohne klar lokalisierbare Schmerzen, stattdessen lediglich riechende Ausflüsse als einziges Symptom. Auch gibt es Patienten mit einem allgemein doch schweren, wenn auch unspezifischen Krankheitsbild mit Unwohlsein, großer Müdigkeit und Fieber, das – zumal von Laien – leicht mit anderen Erkrankungen verwechselt werden kann. Sonderfälle sind Fisteln, die in Folge von anderen Erkrankungen wie zum Beispiel Morbus Crohn auftreten, sich aber klinisch sehr ähnlich manifestieren.

Grafik: Darstellung einer Darmspiegelung
Mithilfe einer Darmspiegelung können Analfisteln exakt lokalisiert werden.

OP: Schließmuskel schonen

Zur Diagnostik kommen neben der körperlichen Untersuchung des Patienten oft eine Darmspiegelung oder bildgebende Verfahren zum Einsatz. Die möglichen Behandlungsmethoden sind abhängig von dem Weg, den sich die Fistel gebahnt hat. Bei einer Analfistel ist vor allem entscheidend, inwieweit und an welchen Stellen der Schließmuskel, auch Sphinkter genannt, betroffen ist. Eine Schädigung der Muskelstränge durch die Operation sollte vermieden werden, da dies ansonsten zu Stuhl-Inkontinenz führen kann. Muss der Schließmuskel jedoch durchtrennt werden, so wird er unmittelbar nach dem notwendigen Durchtrennen wieder vernäht. Trotzdem kann ein Teil der Patienten eine chronische Inkontinenz erleiden. Bei Fisteln, die weniger als ein Drittel des Sphinkters befallen, hat das Durchtrennen meist keinen dauernden negativen Einfluss auf dessen Funktion. Die meisten Fälle ­können so problemlos operiert werden, manchmal sogar ambulant. Die häufigste dabei verwendete Methode ist die Spaltung der Fistel (Fistulotomie), nachdem man durch Einziehen einer Fadendrainage in die Fistel den Abszess entleert und die Entzündung über Wochen zum Abklingen gebracht hat. Die Heilungschancen sind bei den invasiven Operationsverfahren sehr gut, jedoch ist hier das Inkontinenzrisiko eben auch gegeben.

Lasersonden und „Fistel-Kralle“

Dies ist unter anderem der Grund, warum andere, weniger invasive Methoden entwickelt wurden. Inzwischen gibt es neben dem sogenannten „Advancement Flap“, sprich einer operativen Deckung der inneren Fistelöffnung mit einem Schleimhautlappen, auch andere vielversprechende Methoden. Mit ihnen können auch komplexe Analfisteln ohne Beschädigung des Schließmuskels gut behandelt werden. Heißt: Neben einer recht aufwendigen Durchtrennung des Fistelgangs kann man diese „Übeltäter“ auch mithilfe einer Lasersonde „verschweißen“ oder mittels eines elastischen Metall-Clips dynamisch verschließen. Letzterer kommt bei Eingriffen mit dem Endoskop schon seit einigen Jahren erfolgreich zum Einsatz. Nun kann mit dieser speziell adaptierten „Fistel-Kralle“ die innere Fistelöffnung verschlossen werden ­– unter Erhalt der Kontinenz. Für Betroffene lohnt es, sich vor einem Eingriff bei einem Spezialisten oder in den verschiedenen Fachkliniken über die zur Verfügung stehenden Methoden zu informieren.

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