Diarrhö

Wenn der flotte Otto vorbeischaut

Von Nadine Effert · 2015

Das stille Örtchen darf nicht weit entfernt sein, wenn er sich ankündigt: der Durchfall. Laut einer Umfrage des Robert Koch-Instituts werden in Deutschland jährlich rund 65 Millionen Menschen von einer akuter Magen-Darm-Erkrankung heimgesucht. Fast jeder von uns kennt also das Problem. Doch wussten Sie, dass der Einsatz von Antibiotika nur selten sinnvoll ist?

Verdorbene oder verunreinigte Lebensmittel und Bakterien gelten als die häufigsten Ursachen dafür, dass der Stuhlgang plötzlich an Form verliert. Doch warum ausgerechnet flüssig? Schuld ist die Selbstreinigungsfunktion des Darms, über den der menschliche Körper große Mengen an Wasser aufnehmen und ausscheiden kann. Wird die Darmwand durch Krankheitserreger gereizt, gibt sie unkontrolliert Wasser ab, damit die Bakterien mit dem Stuhlgang aus dem Körper gespült werden. Meist handelt es sich um eine harmlose Magen-Darm-Infektion, deren Symptome sich sanft lindern lassen.

Erste-Hilfe-Maßnahmen

Das a und o: viel trinken! Zum Beispiel schwarzen Tee. Denn der enthält Gerbstoffe, die für eine oberflächliche Verdichtung der erkrankten Darmschleimhaut sorgen. Auch Pektine, die etwa in Bananen und Äpfeln vorkommen, sowie entzündungshemmende Getreideschleime und Flohsamen helfen. Dass Cola hilft, ist allerdings ein Mythos: Koffein und Zucker können die Symptome sogar noch verstärken. Durchfallmittel, die es in der Apotheke von diversen Herstellern gibt, verschaffen schnell eine Linderung. Wundern Sie sich nicht: Nach der Einnahme kann es zu einer „Pseudoverstopfung“ kommen, die aber innerhalb weniger Tage wieder verschwindet. Halten Symptome länger als drei bis vier Tage an? Steigt die Köpertemperatur auf über 38,5 Grad Celsius? Ist der Stuhlgang schleimig oder blutig? Dann heißt es: Ab zum Arzt! Er kann entscheiden, ob die Einnahme eines Antibiotikums angebracht ist.

Antibiotika nicht das Mittel der Wahl

Skepsis ist geboten, wenn allzu schnell zum Rezeptblock gegriffen und Antibiotika verschrieben werden. Warum, das verrät ein Blick in die jüngst von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (dgvs) veröffentlichte Leitlinie „Gastrointestinale Infektionen und Morbus Whipple“. Von Antibiotika raten die Experten sowohl bei Infektionen mit Bakterien wie Campy-
lobacter als auch bei Erkrankungen durch Yersinien und Escherichia coli ab, da sie keinen Einfluss auf die Dauer der Durchfallerkrankung haben. Anders sieht die Lage bei Salmonellen oder Shigellen aus. „Allerdings sind Shigellen oft gegen Antibiotika resistent, sodass eine Resistenztestung erfolgen sollte“, meint Professor Dr. Ansgar Lohse, Direktor der I. Medizinischen Klinik und Poliklinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Der Experte warnt insbesondere ältere und immungeschwächte Menschen davor, schwere Durchfallerkrankungen auf die leichte Schulter zu nehmen. Der hohe Flüssigkeits- und Elektrolytverlust schwächt den Körper stark. Im schlimmsten Fall könne das sogar zum Tod führen.

Quelle: Statista 2015
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