Dickdarmentzündung

Wenn sich der Dickdarm entzündet

Von Tobias Lemser · 2016

 Person greift sich selbst in den Bauch. Thema: Dickdarmentzündung

Leiden Sie unter häufigem Durchfall, der Blut oder Schleim enthält? Dann könnte eine Colitis ulcerosa dahinter stecken. Die in Schüben auftretende Erkrankung ist nicht heilbar, aber deren Symptome behandelbar. Neue vielversprechende Therapien geben nun Hoffnung, die lästigen und schmerzhaften Beschwerden loszuwerden – zum Beispiel mit Fäkalkeimen gesunder Menschen.

Die Colitis ulcerosa zählt mit Morbus Crohn zu den häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (ced). Während bei Morbus Crohn die gesamte Darmwand entzündet ist und den ganzen Verdauungstrakt erfassen kann, kommt es bei einer Colitis ulcerosa zu einer krankhaft gesteigerten Immunreaktion, die dazu führt, dass sich die Dickdarmschleimwand entzündet. Das Besondere dieser Darmerkrankung, unter der bundesweit rund 170.000 Menschen leiden: Sie verläuft typischerweise in Schüben, sodass sich Phasen mit und ohne Beschwerden abwechseln.

Bei Dickdarmentzündung bis zu 30 Stuhlgänge täglich

Ebenso markant für eine Colitis ulcerosa, die in den meisten Fällen junge Menschen zwischen dem 20. und 34. Lebensjahr befällt, sind krampfartige Bauchschmerzen sowie blutiger und schleimiger Durchfall – bis zu 30 Stuhlgänge pro Tag sind möglich. Viele Patienten sind müde, abgeschlagen und leiden unter Fieber, Gewichtsverlust sowie Blutarmut. Laut Dr. Julian Bleek, Facharzt für Innere Medizin im aok-Bundesverband, ist die Ausprägung der Colitis ulcerosa sehr unterschiedlich: „Die Erkrankung kann ganz schleichend mit nur wenigen Symptomen beginnen, aber auch akut, mit heftigen Durchfällen, Bauchschmerzen und Fieber.“ Die Ursachen sind noch ungeklärt. Wissenschaftler gehen von einer genetischen Veranlagung, einer Fehlfunktion des Immunsystems oder einem Lecithin-Mangel aus, der mit diätischen Lebensmitteln behandelt werden kann. Tipp: Wer aufgrund des Allergie-Potenzials nicht aus Sojabohnen gewonnene Präparate einnehmen möchte, kann alternativ auf aus Eilecithin bestehende zurückgreifen. Bei akuten Schüben greifen entzündungshemmende Medikamente – zur Not auch Kortison. In schweren Verläufen besteht zudem die Möglichkeit, sich einer Antikörpertherapie zu unterziehen. Diese zunehmend eingesetzten Biologika richten sich gezielt gegen bestimmte biologische Moleküle.

Hoffnungsschimmer Fäkalkeime

Da an Colitis ulcerosa Erkrankte weniger Darmbakterienarten als gesunde Menschen haben, verspricht nun einer kanadischen Studie zufolge die Transplantation von Stuhl einen deutlichen Effekt. Im Rahmen der Untersuchung wurden den Probanden sechs Wochen lang Fäkalkeime in Form von aufbereitetem Fremdstuhl als Einlauf verabreicht. Nach sieben Wochen waren bei knapp einem Viertel der Patienten die Symptome zurückgegangen. Generell gilt: Bei einer schweren akuten Verlaufsform muss der Patient stationär in einer Klinik behandelt werden. Spricht die medikamentöse Therapie nicht an, kann es notwendig werden, den Dickdarm operativ zu entfernen – eine Maßnahme, auf die dank weiterer innovativer Behandlungsmethoden vielleicht in Zukunft verzichtet werden kann.

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