Darmflora

Heimliche Dickmacher im Darm?

Von Nadine Effert · 2018

Medizinerin spricht mit übergewichtiger Frau. Thema: Darmflora und Adipositas
Fettleibige Menschen sind gesundheitlichen Risiken ausgesetzt.

Laut Robert Koch-Institut (RKI) sind hierzulande ein Viertel der Erwachsenen stark übergewichtig. Fettleibigkeit, im Fachjargon Adipositas genannt, führt zu sozialer Ausgrenzung und macht krank. Forscher haben nun den Zusammenhang zwischen Ernährung, Darmflora und Übergewicht genauer unter die Lupe genommen.

Experten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung befürchten, dass im Jahr 2040 jeder zweite Deutsche fettleibig sein wird, sprich einen Body-Mass-Index von über 30 hat. Verheerend, wenn man an die sozialen und vor allem gesundheitlichen Folgen denkt, allen voran Diabetes mellitus Typ zwei, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dazu gesellen sich oft Gelenkschäden, Schlafapnoe und Arterienverkalkung. Doch warum haben immer mehr Menschen zu viel auf den Rippen? Dieser Frage sind Forscher der University of Cambridge nachgegangen, indem sie die Essensqualität in 187 Ländern untersucht haben. Das Ergebnis: Weltweit wird zwar mehr Obst und Gemüse gegessen, allerdings parallel dazu auch viel mehr ungesunde Produkte, wie gesüßte Getränke oder verarbeitetes Fleisch. Über solche Lebensmittel werden oftmals erheblich mehr Kalorien aufgenommen, als zur Deckung des täglichen Energiebedarfs nötig sind. 

Veränderte Darmflora als Ursache

Die Nahrung, die uns immer und überall zur Verfügung steht, enthält meist zu viele Fette und Zucker. Und diese Ingredienzien schaden auch der Darmflora, wie jüngst amerikanische Wissenschaftler anhand von Tests an Mäusen herausgefunden haben. Genauer gesagt konnten sie an den fettleibigen Nagern feststellen, dass eine bestimmte Bakterienart, die Firmikuten, im Darm bei fett- und zuckerhaltiger Nahrung sich übermäßig vermehrt, was eine Ursache für Übergewicht und Fettleibigkeit darstellt. Denn diese Bakterien verbessern die Verwertung der Nahrung und begünstigen somit die Kalorienaufnahme aus dem Darm. Neben der Verschiebung der Bakterienzusammensetzung im Darm gibt es jedoch weitere Einflussfaktoren auf das Gewicht, wie Mangel an körperlicher Bewegung, psychische Belastung oder die Einnahme von bestimmten Medikamenten. Der erblich festgelegte Grundumsatz im Stoffwechsel könnte zwar eine Rolle spielen, allerdings kann eine Häufung von Adipositas in Familien auch darauf zurückzuführen sein, dass schlechte Essgewohnheiten an den Nachwuchs weitergegeben werden. 

Wichtig: langfristige Gewichtsreduktion

Fakt ist: Die überschüssigen Pfunde müssen runter – und zwar langfristig. Doch führt bei adipösen Patienten in der Regel häufig weder eine Änderung des Lebensstils noch die Einnahme von Medikamenten zu einem langfristigen Erfolg. Hier hilft nur ein chirurgischer  Eingriff, bei dem der Magen verkleinert wird. In Zukunft könnte jedoch das Wissen um die veränderte Darmflora Ansatzpunkte für eine Intervention im Sinne einer Gewichtsreduktion ohne OP und Jo-Jo-Effekt bieten.

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