Sodbrennen und Säureblocker

Die unterschätzte Gefahr

Von Nadine Effert · 2018

Eine Frau hält ihre Hand an den Hals. Thema: Sodbrennen

Ein leckeres Schweinerückensteak vom Grill, dazu ein üppiges Bier und ein „Verteiler“ hinterher: Nach der Schlemmerei meldet sich gerne das Sodbrennen, von dem mehr als ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland regelmäßig betroffen ist. Warum auf Dauer ein Ignorieren gefährlich werden kann und was bei der Einnahme von Protonenpumpenhemmern zu beachten ist.

Sodbrennen ist so weit verbreitet, dass es viele Menschen schlicht als normales, wenn auch lästiges Anhängsel einstufen, das im Alltag auftaucht – meist nach fettigem Essen oder Alkoholkonsum. Aber auch Stress, Rauchen, Übergewicht oder die Einnahme bestimmter Medikamente können dieses Gefühl verursachen, das Betroffene unter anderem als „Feuer in der Speiseröhre“ oder „Dolchstoß durch die Brust“ beschreiben. 

Problem: aufsteigende Magensäure 

Doch wie kommt Sodbrennen überhaupt zustande? Dazu muss ein Blick in den Magen und auf bestimmte Verdauungsmechanismen geworfen werden: Damit der Magen Mahlzeiten überhaupt bewältigen kann, setzt die Magenschleimhaut einen salzsäurehaltigen Saft frei, der sich unter den Nahrungsbrei mischt, um ihn zu zersetzen. Zwei bis drei Liter pro Tag sind dabei übrigens völlig normal. 

Wird jedoch zum Beispiel aufgrund besonders fettiger Speisen zu viel Magensaft produziert, kann Folgendes passieren: Der Schließmuskel zur Speiseröhre ist angesichts des überdehnten Magens nicht mehr in der Lage, die Nahrung zurückzuhalten, wodurch diese bis in die Speiseröhre oder sogar bis in die Mundhöhle aufsteigt. Die Folge: ein brennender Schmerz hinter dem Brustbein, der bis in den Hals wandern kann, oder auch ein unangenehmes Druckgefühl in der Magengegend. Häufig sind auch vermehrtes Aufstoßen, Räuspern, Husten oder Heiserkeit zu beobachten. 

Sodbrennen: Säureblocker nur kurzfristig einnehmen 

Wer ab und zu mal unter Sodbrennen leidet, braucht sich keine Sorgen zu machen und bekommt die Beschwerden in der Regel gut in den Griff. Etwa mit rezeptfreien Mitteln aus der Apotheke, besser bekannt als Antazida und Protonenpumpenhemmer oder –inhibitoren (PPI). Während erstere die Magensäure binden, drosseln letztere deren Produktion. Die PPI stehen immer wieder in Verdacht, unerwünschte Nebenwirkungen zu verursachen. Genauer gesagt geht es um Studien, die eine PPI-Einnahme mit erhöhten Risiken für andere Erkrankungen wie Knochenbrüche, Infektionen, Niereninsuffizienz und Demenz in Verbindung bringen. 

Eine im „British Medical Journal“ veröffentlichte Untersuchung kam sogar im vergangenen Jahr zu dem Schluss, dass PPI das Sterberisiko erhöhen können. Der Analyse der Wissenschaftler um Seniorautor Dr. Ziyad Al-Aly zufolge kommt es pro 500 PPI-Anwendern, die die Säureblocker über ein Jahr einnehmen, zu einem zusätzlichen Todesfall. Warum das Sterberisiko mit der Einnahmedauer anstiege, sei noch unklar. Die Forscher vermuten einen Einfluss auf oxidativen Stress. Grundsätzlich beziehen sich genannte mögliche Auswirkungen stets auf die Langzeiteinnahme. Experten raten daher von dem langfristigen Gebrauch von Säureblockern zur Behandlung von Sodbrennen und gastroösopagealem Reflux ab – vor allem in Eigenregie, ohne ärztliche Absprache.  

Quelle: Medienservice GmbH, 2018

Krebsgefahr bei Reflux 

Wer ohnehin länger als drei Wochen fast durchgängig Sodbrennen hat, sollte einen Arzt aufsuchen. Der Grund: Etwa jeder Fünfte in Deutschland leidet unter einer Refluxkrankheit, bei der eine funktionelle Beeinträchtigung des Speiseröhrenschließmuskels vorliegt. Diese organische Ursache lässt sich mit PPI ohnehin nicht beheben. Die Folge von wiederholt und andauerndem Aufsteigen der Magensäure ist eine Schädigung der Schleimhaut der Speiseröhre, da diese über keine schützenden Schleimstoffe verfügt. Es kommt zu Entzündungen. Verheerend: gastroösopagealer Reflux gilt zudem als Hauptrisikofaktor für Speiseröhrenkrebs und auch das Risiko für Rachen- und Kehlkopfkrebs ist laut neueren Studien erhöht. Heißt: Die Krankheit muss behandelt werden. 

Helfen keine Medikamente, kommt eine Operation infrage. War lange Zeit die Fundoplikatio, bei der eine Manschette um die Speiseröhre herumgeführt wird, Goldstandard, gibt es heute neue Verfahren. Zum Beispiel ein flexibles Band aus Magnetkugeln, das um die Speiseröhre gelegt wird, oder ein implantierter Reflux-Schrittmacher, der elektrische Si­gnale an den Muskel abgibt und ihm so hilft, sich zu schließen. Ziel dieser Alternativen: Patienten sollen nach der OP möglichst keine Medikamente mehr einnehmen müssen und typische Nebenwirkungen der Fundoplikatio wie Völlegefühl oder Schwierigkeiten beim Aufstoßen oder Erbrechen ausgeschlossen werden.

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