Stomaversorgung

Der externe Begleiter

Von Kira Taszman · 2021

Einen künstlichen Darmausgang – ein Stoma – gelegt zu bekommen, ist ein Einschnitt in das Leben Betroffener. Doch dank guter Versorgung, mit etwas Übung und der richtigen Einstellung lässt sich das Stoma gut in Privatleben, Beruf und Aktivitäten einbinden. So können Betroffene ein weitgehend normales Leben führen.

Doktorin berät Patientin zur Stomaversorgung
Ärzte helfen, den richtigen Umgang mit dem Stoma zu üben. Foto: iStock / nortonrsx

Irgendwann wurde Petra T. gelassener und lernte, mit anfänglichen „Malheuren“ umzugehen. Malheure bedeuteten in ihrem Fall etwa, dass der Beutel mit ihrem ausgeschiedenen Stuhl, den sie am Bauch trug, nicht ordentlich haftete oder dass sie ihn in bestimmten Situationen nicht rechtzeitig wechseln konnte. Denn Petra T. gehört zu den schätzungsweise 100.000 bis 150.000 Menschen in Deutschland, denen ein künstlicher Darm­ausgang, ein sogenanntes Stoma, gelegt wurde. Weil ihr Mann sie liebevoll unterstützte, habe sie das Stoma gut in ihren Alltag integrieren können, berichtet die junge Frau auf der Internet-Plattform www.krankheitserfahrungen.de.

Der Begriff Stoma kommt aus dem Griechischen und bedeutet Mund oder Öffnung. Heute wird er in der Medizin für eine künstlich geschaffene Körperöffnung, meist einen Darmausgang, verwendet. Dafür wird ein Stück Darm durch die Bauchdecke gezogen und ein künstlicher Ausgang geschaffen. 75 Prozent der Stomaträger erhalten die Vorrichtung nach einer Darmkrebs-OP. Doch man legt das Stoma auch bei genetisch bedingtem drohendem Darmkrebs (Polyposis coli), bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder bei der vorübergehenden Stilllegung von Teilen des Darms, mit der Operationsnähte heilen können.

Kolostoma und Ileostoma

Man unterscheidet vor allem zwei Arten von Darmausgängen: Das Kolostoma ist ein künstlicher Ausgang des Dickdarms. Es lässt sich meist gut versorgen, da die Stuhlkonsistenz gewohnt geformt und fester ist. Ein Ileostoma wiederum ist ein künstlicher Dünndarm­ausgang. Da die Ausscheidung des Ileostomas dünnflüssig und aggressiv ist, muss die Stomaversorgung hier gut halten und rund um das Stoma dicht sein, sodass keine Ausscheidung auf die Haut gelangt.

Beide Stoma-Arten können temporär oder permanent sein. Wenn Teile des Dickdarms entfernt werden, aber das Rektum erhalten bleibt, ist das Stoma meist temporär angelegt. Auf die permanente Präsenz des Stomas müssen sich dagegen Betroffene einstellen, deren Tumoren tief saßen, sodass der letzte Teil des Darms samt dem Schließmuskel entfernt wurde.

Richtige Pflege ist entscheidend

Da das Stoma die Stuhlentleerung nicht wie der Schließmuskel regulieren kann, müssen Stomaträger einen Stomabeutel verwenden, der den Stuhl auffängt. Damit das gut funktioniert, muss ein Stoma ordentlich am Körper anliegen. Gerade beim Sitzen bilden sich Falten am Bauch – an ihnen darf das Stoma nicht angebracht werden. Das Tragen eines Stomas muss deshalb sowohl vor als auch nach der OP von Therapeuten und Patienten geplant und geübt werden – ebenso wie die Versorgung. Denn die Patienten kümmern sich im Alltag selbst um ihr Stoma. Aus diesem Grund sollte es gut erreichbar sein.

Das Wichtigste ist, den Stomabeutel regelmäßig auszutauschen. Wie oft das geschehen muss, ist individuell unterschiedlich. Zu lange sollte er jedoch nicht getragen werden. Auch die Furcht vor Gerüchen etwa ist kaum begründet: Stomabeutel sind mit Aktivkohlefiltern ausgestattet, die die Darmgase geruchsneutral entweichen lassen. Auch eng anliegende Kleidung kann wie vor der OP getragen werden. Moderne Versorgungen sind so flach, dass sie sich selbst unter einem Badeanzug kaum
abzeichnen.

Zur Pflege und Reinigung der Stomaumgebung verwendet man am besten warmes Wasser und eine pH-neutrale Seife. Zum Waschen und Trocknen der Haut empfehlen sich weiche, saugfähige Materialien wie Kompressen und Mull.

Aktiv im Alltag

In den ersten Wochen nach der Operation werden Stomapatienten oft von Ängsten geplagt: Sie haben Sorge, dass ihr verändertes Aussehen den Partner abschreckt und sie Beruf und Freizeitaktivitäten nicht wie gewohnt wieder aufnehmen können. Solidarität und Zuwendung von Familie, Freunden und Bekannten sind dann wichtig. Doch nach ersten Anlaufschwierigkeiten haben die meisten Patienten gelernt, mit dem externen Begleiter am Bauch zu leben.

Beruf und Privatleben lassen sich meist ohne größere Einschränkungen führen. Nur schwer heben oder tragen sollten Stomapatienten nicht. Freizeitaktivitäten und Reisen sind dagegen ohne Weiteres möglich. Auch Sport kann nach Rücksprache mit dem Arzt betrieben werden, sofern er die Bauchmuskulatur nicht zu stark beansprucht. Bei manchen Sportarten helfen Gürtel, die den Stomabeutel fixieren, eine Stomakappe oder die Kurzzeitversorgung mit einem Minibeutel.

Und, keine Angst: Auch ein Sexualleben ist für Stomaträger weiterhin möglich. Bevor es intim wird, sollte man sich einige Minuten Zeit nehmen, um den Beutel zu leeren. Das sorgt für mehr Gelassenheit. Zudem kann man verschiedene Bekleidungsaccessoires wie Bauchbänder und Ouvert-Unterwäsche verwenden, die den Beutel verdecken. Auch kleinere diskretere Versorgungen wie eine Stomakappe sind für den Sex geeignet.

Schließlich hilft der Austausch mit anderen Betroffenen, um Rat für andere praktische Situationen einzuholen oder um über Gefühle zu sprechen. Petra T. jedenfalls hat ihrem „Stomi“, wie sie es nannte, sogar eine kleine Abschiedsfeier bereitet, bevor es nach vier Monaten zurückverlegt wurde. Ihr Mann stand ihr dabei erneut hilfreich zur Seite.

Haben Sie Fragen und wünschen Sie Unterstützung?

Nachfolgend finden Sie Adressen für Informationen und Beratung:

Deutsche ILCO e. V.
www.ilco.de
Telefon 0228 33889450
info@ilco.de

Lila Hoffnung – CED und
Darmkrebshilfe e. V.
www.lilahoffnung.de
Telefon 05171 5409959
Mobil 0159 06443339
info@lilahoffnung.de

Beuteltiernetzwerk e. V.
www.beuteltiernetzwerk.com
Nicole Engel
info@beuteltiernetzwerk.com

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