Künstlicher Darm

Leben mit Stoma

Von Sandra Sehringer · 2023

Ob vorübergehend oder auf Dauer – in der Medizin steht die Bezeichnung Stoma für eine künstlich angelegte Öffnung im Körper. In den meisten Fällen dient es dazu, Ausscheidungen aus dem Darm abzuleiten. Das kann bei bestimmten Erkrankungen unser Leben erleichtern oder sogar retten.

Heutzutage sind Stomabeutel sehr viel dezenter zu tragen als früher.
Heutzutage sind Stomabeutel sehr viel dezenter zu tragen als früher. Foto: iStock / Sheila Alonso

Allein in Deutschland haben etwa 160.000 Menschen einen künstlichen Darmausgang oder eine künstliche Harnableitung. In den meisten Fällen befindet sich das Stoma dabei am Dickdarm, am zweithäufigsten am Dünndarm, gefolgt von einem künstlichen Ausgang zur Harnausscheidung. Ein solches Stoma wird bei Bedarf operativ angelegt und mit einem Hautschutz sowie einem Beutel oder einer speziellen Kappe versehen. Stuhl oder Urin werden dann nicht mehr auf natürlichem Wege ausgeschieden, sondern dezent und geruchsfrei über die künstliche Öffnung nach außen abgeleitet.


Schutz auf Zeit oder auf Dauer

Etwa 70 Prozent aller Stomaträger haben eine Krebserkrankung, so die Deutsche Krebsgesellschaft. Aber auch bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa kann es nötig sein, einen künstlichen Ausgang anzulegen. Wenn Chirurgen krankhafte Darmabschnitte entfernen müssen, nähen sie die verbleibenden Enden des Darms wieder zusammen. Ein Stoma schützt dann die Wundnähte, sodass sie ungestört heilen können und nicht durch Stuhl verunreinigen werden. In vielen Fällen bleibt ein solches Stoma jedoch nur vorübergehend. Nach dem Abheilen wird es operativ entfernt, und die natürlichen Verdauungsfunktionen werden wiederhergestellt. In manchen Fällen, beispielsweise wenn sich im Enddarm, After und Schließmuskel ein Tumor ausgebreitet hat, kann es sein, dass ein dauerhaftes Stoma nötig ist. Das gilt auch, wenn ein fortgeschrittener Morbus Crohn den Schließmuskel zerstört.

 

Lebensqualität steigern

Viele Stomatragende befürchten zu Beginn, durch einen künstlichen Darmausgang an Lebensqualität zu verlieren. Dabei führt die Therapie bei entzündlichen Krankheiten meist zu weniger leidvollen Erkrankungsphasen, zu selteneren Krankenhausaufenthalten und zu mehr Normalität im Alltag. Bei Krebs oder akuten Notfällen wie einem Darmdurchbruch können Stomata sogar Leben retten. Wichtig ist von Anfang an eine Schulung durch ausgebildete Stomatherapeutinnen und -therapeuten. Die spezialisierten Pflegekräfte können den hygienischen Umgang zeigen, beantworten Ernährungsfragen und helfen bei der Wundversorgung. So können Stomatragende auch wie gewohnt Sport treiben, schwimmen und essen gehen oder reisen.

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