Darmkrebs

Vorsorge: Screening ab 45?

Von Nadine Effert · 2017

Ohne Beschwerden zum Arzt und sich freiwillig einer Darmspiegelung unterziehen? Klingt unlogisch, kann aber durchaus lebensrettend sein, wenn es um das Thema Darmkrebs geht. Ab 55 hat man Anspruch auf die Vorsorgeuntersuchung. Warum Wissenschaftler aus Frankreich eine Anpassung des Alters fordern und warum gerade Männer davon profitieren könnten.

Zwei Menschen stoßen mit Rotweingläsern an. Alkoholkonsum ist ein Faktor, der das Darmkrebsrisiko beeinflusst.
Ein Gläschen in Ehren... kann – zu häufig genossen – lebensbedrohliche Folgen haben.

Darmkrebs ist ein raffinierter Geselle, denn er kommt auf leisen Sohlen und bleibt folglich für lange Zeit unbemerkt. Auf der Liste der häufigsten Krebsarten in Deutschland rangiert er auf Platz zwei. Besonders das Alter spielt eine Rolle: Ab dem 50. Lebensjahr steigt das Risiko. Daher empfehlen nicht nur die Experten des Deutschen Krebsinformationsdienstes ab diesem Alter regelmäßig zur Darmkrebsvorsorge zu gehen. Doch welche Untersuchungen gehören zum sogenannten Screening überhaupt dazu? 

Spiegelung kann echte „Vorsorge“ sein

Ab 50 können Männer und Frauen jährlich ihren Stuhl untersuchen lassen. Mit einem sogenannten immunologischen Stuhltest werden auch kleinste Blutmengen nachgewiesen, die auf einen Tumor hinweisen können. Ab 55 gehört eine Darmspiegelung dazu, bei der der Darm – bei Unauffälligkeiten alle zehn Jahre – mit einem Endoskop von innen inspiziert wird. Im Rahmen der Koloskopie können Tumoren in einem frühen Stadium entdeckt werden, was die Heilungschancen immens erhöht. Und: Krebsvorstufen wie zum Beispiel Schleimhaut-Polypen, können durch die Untersuchung gefunden und entfernt werden, bevor sie sich zu einem Tumor entwickeln. Heißt: Die Darmkrebsvorsorge kann Leben retten und auch vor Krebs schützen.

Neuerkrankungsrate gesunken

Am Sinn der Krebsvorsorge gibt es nichts zu rütteln. Das belegen auch Zahlen, die das Robert Koch-Institut (RKI) in diesem Jahr veröffentlicht hat. Ein Ergebnis: Die Neuerkrankungsrate für Darmkrebs ist seit 2003 um etwa 16 Prozent gesunken. „Der in Deutschland erkennbare Rückgang der Inzidenz in den letzten Jahren, vor allem für die unteren Darmabschnitte, spricht insgesamt für einen positiven Einfluss der Früherkennungs-Koloskopie, die Versicherten seit 2002 angeboten wird“, so das RKI. Trotz der positiven Entwicklung werden aktuell Stimmen laut, die eine Anpassung des empfohlenen „Screening-Alters“ für sinnvoll halten. Grund sind neue Erkenntnisse darüber, in welcher Altersgruppe Veränderungen im Darm auffällig zunehmen.

Erste Auffälligkeiten zeigen sich früher 

Eine dieser Studien wurde im Oktober in Barcelona auf der United European Gastroenterology Week (UEGW) vorgestellt. Dr. David Karsenti und sein Team von der Clinique de Paris-Bercy in Charenton-le-Pont hatten die Daten von 6.027 Koloskopien analysiert. Das Resultat: Die Rate der entdeckten Neoplasien stieg bereits ab dem 45. Lebensjahr erheblich, nämlich um 400 Prozent im Vergleich zur Altersgruppe der 40- bis 44-Jährigen. Zudem war die Rate um acht Prozent höher als in der Gruppe der 50 bis 54-Jährigen. Unter Neoplasien versteht der Mediziner eine Neubildung von Körpergewebe, aus der auch ein Tumor entstehen kann. Auch die Rate der Darm-Polypen stieg bei den 45- bis 49-Jährigen deutlich an. 

Insbesondere für Männer sinnvoll

In einer Mitteilung zum Kongress fasst Dr. Karsenti die Ergebnisse zusammen: „Ungeachtet der Art des Screenings macht unsere Studie deutlich, dass die Darmkrebs-Früherkennung bereits ab einem Alter von 45 Jahren beginnen sollte.“ Ob aus der Forderung eine offizielle Empfehlung wird und die Krankenkassen nachjustieren – ist noch offen. Einen Vorstoß in diese Richtung gab es bereits 2014, als die AOK Baden-Württemberg als erste gesetzliche Kasse die Kosten für die Darmspiegelung bereits ab 50 übernimmt, vorausgesetzt der Versicherte nimmt an einem speziellen Haus- und Facharztprogramm teil. Vor allem für Männer ist eine frühere Vorsorge sinnvoll, da sie im Schnitt fünf Jahre früher an Darmkrebs erkranken als Frauen.

So senken Sie Ihr Darmkrebsrisiko

Eine Analyse des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam ergab: Wer gesund lebt, hat ein um 40 Prozent verringertes Darmkrebsrisiko als jemand mit einem sehr ungesunden Lebensstil. 

Daher gilt:

  • Halten Sie Ihr Gewicht im Normalbereich.

  • Bewegen Sie sich ausreichend.

  • Essen Sie wenig rotes und verarbeitetes Fleisch, dafür genügend Lebensmittel, die viel Nahrungsfasern enthalten, zum Beispiel Vollkornprodukte, Gemüse und Früchte.

  • Trinken Sie wenig Alkohol und rauchen Sie nicht. 

  • Und: Gehen Sie zur Darmkrebs-Vorsorge!

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